Unternehmen bündeln derzeit Personal und KI. Sie tun es, um Arbeit neu zu verteilen. Es ist ihre Strategie in Zeiten, in denen KI immer mehr Aufgaben übernimmt.
Beispiel Moderna: Das Pharmaunternehmen hat Personal und Technologie in einer gemeinsamen Vorstandsrolle zusammengelegt. Auch AXA bündelt Personal und KI seit kurzem auf Vorstandsebene. Die Logik dahinter ist einfach: Welche Aufgaben lassen sich automatisieren, wie viele Menschen braucht es dann noch und wie wird das gesteuert?
Karriereentwicklung, Jobprofile — alles verändert sich
Das revolutioniert die Human Ressourcen auf eine neu gekannte Art und Weise. Jede Menge Menschen müssen sich neu erfinden, neu profilieren. Wie sie das tun? Da nicht klar ist, wie “HR” in drei Jahre aussieht, ist es eine Wette auf die Zukunft. Strategie ist gefragt. Nicht nur die Unternehmen, auch die Menschen müssen sich neu aufstellen. Welche Studiengänge, welche Weiterbildungen, welche Projekte machen jetzt Sinn?
Aufgaben verschwinden oder werden zerlegt. Rollen verändern sich, Stellen verschwinden in einigen Unternehmen zugunsten von Talentpools. Gleichzeitig korrigieren viele Organisationen Entscheidungen der letzten Jahre und setzen wieder stärker auf Leistung und Effizienz. Was heißt das für einen selbst? Diese Frage müssen sich jetzt alle stellen. Sie ist psychologisch, denn es macht was mit Menschen, die sich neu erfinden sollen. Aber sie ist auch strategisch: Sie fordert Veränderung, ja schreit danach.
Warum Strategie jetzt notwendig ist
Viele Unternehmen haben nicht den Mut, für zukunftsweisende Entscheidungen. Sie führen neue Tools ein, optimieren Prozesse oder qualifizieren Mitarbeitende weiter. Das löst einzelne Probleme, verändert aber nicht die Ausgangslage. Denn die zentrale Frage lautet: Wie sieht Arbeit in Zukunft aus? Werden Agenten einen großen Teil der Arbeit erledigen? Wird der “Workload Creep” dazu führen, dass immer mehr überlastet sind? Strategie bedeutet zu entscheiden, auch wenn wir darauf aktuell keine Antwort haben.
Strategie: Muster verändern
Strategie ist die Entscheidung, welche Muster Sie künftig stabilisieren und welche Sie bewusst beenden. Es bedeutet immer eine Option zu verwerfen. Und sie ist stets ein Risiko, stets verbunden mit Investitionen. Für Angestellte bedeutet das: Was müssen sie tun um “employable” zu bleiben? Den Arbeitgeber wechseln, weil der bisherige nicht am Zahn der Zeit ist? Auf welche Weiterbildung setzen? Für Selbstständige bedeutet das: Sich fragen, wo in Zukunft Wert gestiftet wird? Was ist eine Position am Markt, die nicht von der nächsten Welle weggespült ist? Wie baut man sich ein einzigartiges Profil? Zudem gilt es zu tun, was Moderna und Axa schon getan haben, denn sie haben entschieden.
Sich neu erfinden heißt deshalb nicht, dass man ganz anfangen muss. Denn es bedeutet im Kern nur, sich gegen bestehende Muster zu entscheiden. Diese Entscheidung ist nötig um neue Muster neue zu bilden.
Strategie beginnt mit einer Vorstellung von Zukunft. Diese beruht auf Fakten, ohne alle Fakten kennen zu können, weil Strategie Unsicherheit voraussetzt. Zwei Funktionen sind dabei entscheidend:
- Beobachtung: Was verändert sich im Umfeld? Märkte, Kunden, Technologien, gesellschaftliche Erwartungen. Entscheidend ist nicht nur, was Sie sehen, sondern auch, was Sie systematisch übersehen. Typische Fragen sind: Welche Entwicklungen blenden wir aus? Wo fehlen uns Informationen oder Kompetenzen?
- Entscheidung: Wofür stehen wir? Welche Richtung geben wir vor? Welche Zielkonflikte lösen wir wie? Ohne diese Ebene bleibt jede Analyse folgenlos.
Sich neu erfinden: die entscheidenden Fragen
Neupositionierung beginnt nicht mit Maßnahmen, denn sie beginnt mit Klarheit. Ein paar Fragen zum Weiterdenken:
- Identität
- Wofür stehen Sie heute?
- Wofür werden Sie aktuell wahrgenommen?
- Was würden 10 unterschiedliche Personen immer über Sie sagen?
- Vision
- Wie verändert sich Ihr Umfeld konkret?
- Welche Rolle wollen Sie darin einnehmen?
- Strategie
- Wofür entscheiden Sie sich?
- Wogegen entscheide Sie sich auch?
- Was investieren Sie?
- Taktik und Plan
- Wie setzen Sie das um?
- Welche Schritte folgen daraus?
- Welche Strategeme braucht es? Lesen Sie meine kleine Schule der taktischen Spielchen.
Sich neu zu erfinden ist ein kreativer Prozess. Besonders hilfreich ist dafür das Viable Systems Model (VSM) als Modell lebender Systeme. In meinem zweiteiligen Workshop “Sich neu erfinden” können Sie das in kleiner Gruppe erfahren. Und wenn Sie eine individuelle Beratung suchen, so schauen Sie in mein Angebot.
Der Beitrag Strategie — sich neu erfinden im Zeichen von KI erschien zuerst auf Svenja Hofert.