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Arbeit 4.0 und KI: die Zukunft ist jetzt!
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Die Dystopie von Kamtschatka und was wir daraus lernen…

by admin
21. Januar 2026
149 1
Home Bildung
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Echt oder nicht? Die Plattenabauten passen zu Petropawlowsk-Kamtschatski. Das Geäude im Vordergrund steht aber in einem seltsamen Winkel, die Wehte in der untern Bildhälfte und gnaz hinten erscheinen dann doch übertrieben.

Eigentlich habe ich gehofft, dass dieser Moment nicht schon jetzt kommt. Natürlich habe ich aber gewusst, dass er irgendwann, nein, eigentlich bald kommt. Aber jetzt erschreckt er mich doch. Noch ein bisschen länger aufschieben?! Schade. Denn ab jetzt ist nichts mehr, wie es war. Der Moment, wo Wahrnehmung mit Einbildung verschmilzt, Realität nur noch subjektiv ist. Niemand vertraut der KI, aber der Realität leider auch nicht mehr. Ein gefährlicher und doch melancholisch bittersüßer Moment. Doch fertig philosophiert: Was ist denn überhaupt passiert? Ja, eben KI ist passiert. Und es ist mir sehr unangenehm, aber es ist auch faszinierend. Zum Glück hat die Crowd der Leser, also ihr, super reagiert und umfassend kommentiert und recherchiert. Reden wir darüber.

Ach ja, das soll weder eine Ausrede, noch eine ausufernde Entschuldigung werden, sondern eher eine Analyse, ja eher eine Einordnung. Schönreden ist garantiert nicht Absicht, aber davonstehlen kann und will ich mich nicht. Natürlich hätte ich nach den ersten Reaktionen schon nach wenigen Minuten den Post wieder löschen können. Das wäre einfach nur feige gewesen. Nein, Verantwortung sieht anders aus. Da muss ich jetzt durch. Und auch aushalten, dass es einen Moment dauert, sich damit zu beschäftigen und darauf einzugehen. Wer schon eine Weile hier mitliest, kennt das Projekt der Liste 2025, in welcher DerKlimablog in aufwändiger Handarbeit und 100 % ohne KI versuchte, weltweit alle Extremwetterereignisse eines Jahres zu sammeln und durch mehrere Quellen zu verifizieren sowie dann auch in einer Liste zu verlinken. Das größte Projekt dieser Gazette bisher. Und doch ist hier nun im Kamtschatka was schiefgelaufen, als ein Post auf den sozialen Kanälen plötzlich viel, ja sehr viele Antworten auslöste.

Dieses Bild fand eine besondere Verbreitung, obwohl es am offensichtlichsten zu mindest großen Teilen KI ist. Die Strapenlaterne hat einen zweiten Ausleger, was zwar Stilelement sein kann, aber nicht logisch erscheint. Das sichtbare auto ist reichlich komisch proportioniert und die Lichter im Schnee sind schwer erklärbar, wenn man kein Auto annehmen möchte, was irgendwie nicht logisch wäre. Der Teil zwischen den Gebäuden ist in Viedos aufgetaucht, wo Kinder die Steigung hinunterrutschen, ebenfalls KI-generiert.

Der Sturm

In Kamtschatka hat es geschneit. So viel, wie seit mindestens 60 Jahren nicht, manche sagen, so viel wie noch nie. Und man ist sich dort einiges gewohnt. Am äußersten und östlichsten Zipfel Russlands, am weitesten weg von Moskau, liegt diese Halbinsel. Gegenüber von Alaska, welches Russland übrigens 1867 für gerade mal 7,2 Millionen an die USA verkaufte (heute ca. 160 Millionen Dollar). Grönland lässt schön grüßen. Dünn besiedelt ist die Region, 65 % der 310.000 Einwohner leben in der Stadt Petropawlowsk-Kamtschatski. Die Rekordschneemengen brachten extreme Schneeverwehungen, die je nach Bericht vom 5. bis in das 9. Stockwerk reichten. Durch in den Schnee gegrabene Tunnel, Höhlen und Löcher kriechen die Menschen gerade durch den Schnee in ihre Häuser. Der Ort ist geprägt von sowjetischen Plattenbauten. Im Winter kann es hier sehr kalt werden, -20 sind keine Seltenheit. Der Rekord liegt für die Stadt bei -31,7 Celsius. Durch den apokalyptischen Schnee sind weite Teile des öffentlichen Lebens zusammengebrochen, der Strom fiel teilweise aus, zwei Menschen starben bisher.

Hier ist es schon schwieriger. Es ist Teil ein es Videos, das Gebäude schein wirklich zu existieren. Einziger Anhaltspunkt wäre die Starpenlaterne, dieim unterne Teil versetzt erscheint, aber das kann auch einen echten Grund haben. Die Crowdintelligent kommt zum schluss, dass es wohl ein hybrides Bild aus Realität und kleinen Anpassungen durch KI sein könnte.

Die Story

Mit diesen Fakten zusammen erreichten auch Bilder den Westen. Doch ab dann wird es wild. Ja, weiter nördlich kann es in der Region auch noch viel kälter werden. Ich habe genau wie andere Medien von -55 Grad geschrieben. Minus 20 ist aber eher aktuell. Und ja, viele der Bilder, welche in sozialen Medien auftauchten, aber auch in etablierten Zeitungen und Fernsehkanälen wie n-tv oder bei t-online erschienen, waren und sind echt. Doch einige von diesen sind KI-generiert, andere nur mit KI verändert, aber auf echten Bildern basierend, und wiederum andere sind echt, werden aber eher für KI gehalten. Die Szenerie wie aus einem Roland Emmerich Endzeit-Film stimmt tatsächlich und ist anscheinend so dystopisch, dass viele sie nicht glauben wollen oder können – und damit eben auch recht haben und dann doch wieder nicht, weil es ja wirklich passiert und auch so aussieht. Das ist das Irre daran: Die Basis der eigenen Wahrheitskonstruktion ist die gefühlte Glaubwürdigkeit, die hier besonders entrückt in einer kaum vorstellbaren Eiswelt stattfindet und doch realer ist, als einem lieb ist. Es sieht vor Ort wirklich apokalyptisch aus. Doch für die meisten fehlt die Erfahrung an visuellen Referenzen, um die Situation einschätzen zu können. So ist es natürlich leicht, KI darunterzuschmuggeln oder mit der Realität zu vermischen. Warum sollte man das überhaupt tun, wenn doch die Realität gerade mehr als ausreichen würde? Noch mehr Klicks? Der Aufwand, verifizierte Bilder von lokalen Bewohnern zu bekommen? Denn ein Besuch ist geopolitisch gerade schwierig. Nutzt Russland den Umstand aus und erteilt uns eine Lehrstunde in Manipulation, oder möchte es uns verunsichern? Denn weltweit, von Brasilien bis eben Deutschland, wird gerade unter jedem Post zum Thema dasselbe diskutiert. Kein Kanal, kein Video ohne Kommentare, die KI vermuten, die echten Bilder anzweifeln oder die falschen verteidigen. Das verunsichert sehr. Und ist vielleicht auch Absicht. Es untergräbt die Glaubwürdigkeit. Und die haben sich viele, auch DerKlimablog hart und über lange Zeit erarbeitet. Es tut weh, jetzt einschneidende und verurteilende Kommentare lesen zu müssen. Aber sie sind berechtigt. Der Entscheid, dass die Debatte darüber wichtiger ist, als einfach zu löschen und den Kopf einzuziehen, ist riskant. Seid also bitte nachsichtig, und ich hoffe, es wird verstanden, was die Absicht davon ist. Aufklärung und vielleicht auch etwas Sühne.

Das hier Stufe ich als weitgehend echt ein. Obwohl das manche nicht zum Sowjetstil zählen möchten, sehen örtliche Bauten tatsächlich auch so aus. Die viele Details sind alle glaubwürdig. Vermutung: echt.

Der Blick

Ja. Es vergingen nur Minuten, bis sich erste Kommentare meldeten und die Bilder anzweifelten. Andere sie aber wieder für echt rechtfertigten. Es gab Faktenchecks von KI-Profis mit Bildanalysen, der Jagd nach Artefakten, dem Identifizieren von logischen Erklärungen und peinlicherweise mir jetzt auch auffallend, doch sehr offensichtlichen Fehlern. Das Perfide ganz besonders an meinem Post ist, dass sich wohl echte, halbechte und generierte Bilder mischten, also von allem etwas dabei ist. Das war keine Absicht. Und das tut mir sehr leid. Und nein, ich will mich auf keinen Fall aus der Verantwortung stehlen, aber es zeigt auch, wie schwierig es ist, alles zu sehen und richtig zu handeln. Haben andere absichtlich einfach mit generierter Ware bebildert, weil es einfach einfacher ist? Ist mir tatsächlich so viel durchgerutscht? Habe ich mich zu sehr verlassen, dass mehrere andere glaubhafte Quellen zusammen richtig liegen müssen? Manche finden es in den Kommentaren legitim, wenn ja die Information stimmt, andere fühlen sich wiederum arg getäuscht und verlieren Vertrauen. Das hier ist ein Versuch, wenigstens ein Teil dieses Vertrauens wiederherzustellen. 

Trotzdem gelingt es nicht, zweifelsfrei technisch zu klären, was und wie viel KI zu sehen ist. Und das ist erschreckend. Manche meinen, es sei sonnenklar und ihre Wahrnehmung würde sie nicht täuschen, weil sie sich eine Welt zurückwünschen, in der sie noch selbständig und mit Menschenverstand die Welt klar verstehen können. Diesen Bereich haben wir womöglich mit diesem global viralen Beispiel verlassen. Und das ist beängstigend. Ich maße mir übrigens nicht an, hier jetzt definitiv zu klären, welche Bilder wirklich was genau sind – ich kann auch nur Vermutungen anstellen und das so zugeben. Trotzdem ist es wichtig, über dieses Schneephänomen zu berichten. Aber es wird bei allen künftigen Berichten mit noch viel mehr Vorsicht sein müssen. Der Aufwand steigt. Die Debatte über Regulierung und Wasserzeichen oder Gütesiegel sollte weitergehen. Wir brauchen eine sichere Berichterstattung, gerade in diesen Zeiten! DerKlimablog will alles Mögliche tun, aber es sind Grenzen, die Milliardäre und Diktatoren mit gigantischen Rechenzentren verschieben. Keine Opferhaltung, aber eben auch Teil des Kontextes. Was wir tun können? Weiterhin alle zusammen wachsam sein. Ich bin sehr stolz auf euch und die vielen Analysen – nicht jeder hat so eine engagierte Community, die zu einem hält. Löschen wird natürlich Devise, aber hier war das Phänomen so groß, dass eine Einordnung mehr wog. Die Gefahr und die Situationen werden zunehmen – denn zu viele haben, leider unschöne, Interessen daran.

Das ist ein Screenshot aus einem Video. Die Tür existiert in verschiedenen Quellen und weißt überall dieselben Details auf. Die Öffnungszeiten des Lokals sind auch echt. Manche bemerkten, die Augen des jungen Mannes würden fehlen, sie sind aber vielmehr durch seine roten Haare verdeckt. Einschätzung: auch echt.

Die Wahrnehmung

Ja, bei einigen Details ist der Fall klar, da war KI am Werk. Bei andern Bildern ist die Situation auf dem Bild echt, aber KI hat vielleicht doch reingepfuscht. Das Bild mit der Tür wird hingegen von vielen für KI gehalten, ist aber nachweislich echt. Es gibt Bilder aus anderen Jahreszeiten, die angeschlagenen Öffnungszeiten des offensichtlichen Cafés sind auch echt, auch die Person im Bild. Durchrutschen sollte aber natürlich kein AI-Slop. Ich gebe zu, bei den ersten Bildern hatte ich auch ein Störgefühl. Doch als immer mehr Videos und Berichte von vor Ort auftauchten und auch der ÖRR einstieg, veränderte sich auch meine Wahrnehmung der Situation und der ersten Bilder. Besonders von der großen Wechte (oder sagt man Wächte?) an der Hauswand des einen Häuserblocks. Watson zeigte sogar Videos, wo Kinder darauf herunterrutschten. Das alles schien mit jedem Puzzlestück realer. Doch einige Bilder streuten und waren nachweislich KI generiert oder zumindest damit verändert. Gerade dystopische und unseren Gemütern nicht alltäglich bekannte Landschaften sind schwieriger einzuordnen bzw. zu interpretieren, als Landschaften und Details, die uns bekannter vorkommen. Beispiel sind Fassaden. Typisch an sowjetischen Bauten verändern sich diese und individualisieren sich über die Zeit, weil Besitzer der einzelnen Wohnungen Teile von Balkonen, Geländern, Wintergärten und Fensterrahmen zeitversetzt zueinander austauschen und dadurch dann unregelmäßige, heterogenere Muster entstehen. Während wir in unseren Breitengraden eher gewöhnt sind, Häuser gemeinsam in einem Rutsch zu modernisieren und auf Einheitlichkeit zu achten. Aber sollte so ab jetzt jede Beurteilung eines Bildes online ablaufen?!

Auch davon gibt es ein Video. Das muss zwar nichts heißen, aber im Video brechen die Verwehungen ab und stürzen in einer physikalisch korrekten Ordnung aufainender, nacheinander ab. Einschätzung: echt.

Der Blickwinkel

Der Anspruch ist natürlich, echte Bilder zu liefern, wenn man mit ihnen auch als solchen umgeht und sie so darstellt. Offensichtlich nur zur Illustration und reichlich fantasievoll angewandte Grafiken sind aber auch hier im Blog schon vorgekommen. Vor allem auf Vorschaubildern, dann aber deutlich erkennbar. Doch im Post von heute auf den sozialen Medien war im Kontext nicht erkennbar, dass es sich um teilweise KI-Bilder handelte, da das weder Absicht noch in dem Moment Bewusstsein war. Es ist einfach, im Nachhinein Schlampigkeit zu attestieren. Stimmt ja irgendwie auch. Das ist mittlerweile auch meine Wahrnehmung. Aber viel erschreckender ist der Moment, wo das alles verschwommen ist. Wichtig ist, dass man zwar auf Mastodon Posts verändern kann, auf Bluesky aber nur löschen und auf Threads es einen Timeslot gibt, wo Änderungen noch möglich sind, danach aber nicht mehr. Manche haben sofort Korrektur verlangt. Ich finde, dass alle User auf allen Plattformen das Recht haben, die Inhalte gleich zu erleben. Es wäre aus meiner Sicht nicht fair gewesen, den einen die Sache einfach zu fixen, den anderen durch Löschen einfach den Fehler zu vertuschen, oder bei allen irgendwie laufend zu verschlimmbessern, während die Aufklärung und Suche nach der Wahrheit gerade erst richtig anlief. Ich wusste ja und weiß es bis jetzt nicht definitiv, welche Anteile an Bildern wirklich echt sind – zumindest nur teilweise. Hier verifizierte Bilder der Tagesschau – aber auch sie konnte nicht vor Ort drehen und ist auf Drittbilder angewiesen:

Fazit

Ja, nach ein paar Minuten, war es eine Entscheidung, nicht zu löschen, sondern dazu zu stehen und es aufzuarbeiten. Die Hosen herunterlassen und zum eigenen Fehler stehen sowie das Passierte aber auch als gemeinsames Lehrstück betrachten. Weil es wichtig ist. Nicht als geplantes Experiment, denn das war es nicht, sondern als Fallbeispiel, wie schnell etwas außer Kontrolle gerät. Stolz bin ich darauf nicht und es tut mir leid, manche von euch Lesern enttäuscht zu haben. Ich möchte es darum so weit richtigstellen, wie es geht, und das Kind verzweifelt aus dem Brunnen fischen. Die Tatsache, dass es auch großen Medienanstalten passierte und auch weiterhin unterschiedliche Wahrnehmungen und Meinungen zu den Bildern bestehen, beruhigt mich aber etwas und verängstigt mich gleichzeitig auf eine Weise, die ich noch nicht richtig beschreiben kann. Es läuft mir sehr kalt den Rücken runter. Auch tut es mir leid, dass das gedauert hat. Was wäre die beste Option gewesen? Sofort sagen, dass etwas nicht stimmt, aber nicht wissen was? Warten, bis Klarheit herrscht? Oder doch löschen, um das Gift der KI nicht weiter wirken zu lassen? Was wäre ehrlich, was korrekt und was am informativsten gewesen? Dringend müssen wir nochmal separat darüber reden, was mit KI gerade alles schiefläuft und wie das den Klimadiskurs negativ beeinflusst. Dieser Schreck hier darf sich nicht wiederholen, die latente Wahrscheinlichkeit besteht aber. Glashaus und Steine. Mit jedem Tag werden die Ergebnisse von KI perfekter. Mir ist es eine Lehre – ich hoffe, euch auch. Der Schnee in Kamtschatka ist wirklich kalt und liegt meterhoch. Die Polarwirbel verändern sich auch nachweislich und beeinflussen zunehmend Wetterphänomene. Die Situation vor Ort ist visuell tatsächlich weitgehend so, wie dargestellt. Und Vertrauen ist ein sehr kostbares Gut. Und ja, das ist eine Entschuldigung an jeden, den es betrifft, und auch die Bitte um Vergebung und Nachsicht, da hier immer noch alles ehrenamtlich organisiert und erarbeitet wird. Zusammen sind wir stark. Genau wie beim Kampf um die Klimarettung.

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